Preisträger

2017

Erster Preis:

Lebendige Bibelgeschichten:
Die Bibelerzählerin Simone Merkel

„Ich wusste gar nicht, wie lebendig diese alten Geschichten sind“, diese Reaktion bekommt Simone Merkel in letzter Zeit immer wieder zu hören, wenn sie ihrer neuen Profession nachgeht: biblische Geschichten frei nachzuerzählen, sie aus ihren historischen Kontexten herauszulösen und so ins Heute zu übertragen, dass sie mit ihrer frohen Botschaft den Menschen vertraut werden.

Die evangelische Gemeinde- und Religionspädagogin ist derzeit tätig als Fachberaterin und Fachbegleiterin der kirchlich-gemeindlichen Arbeit mit Kindern in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und Studienleiterin im Amt für kirchliche Dienste mit Sitz in Berlin. Und seit 2016 ist sie nun auch ausgebildete Bibelerzählerin.

An insgesamt zehn Abenden im Sommer 2017 bietet die Bibelerzählerin in offenen Veranstaltungen ihre Erzählabende an. In Kombination mit Musik und Elementen offener Veranstaltungsformate – wie beispielsweise Gesprächs- und kulinarische Angebote – erzählt Merkel biblische Geschichten frei nach und erreicht damit kirchennahe und kirchendistanzierte Menschen gleichermaßen. Die Abende richten sich insbesondere an erwachsene Zuhörerinnen und Zuhörer. Veranstaltungsorte sind ausgewählte Kultur- und Museumsorte sowie Kulturkirchen im ländlichen Raum des Landes Brandenburg.

„Freies Erzählen ist die älteste und ursprünglichste Form der Überlieferung“, sagt die Bibelerzählerin. „Freies Erzählen ist unmittelbar, es ist persönlich, authentisch und intensiv. Das freie Erzählen biblischer Geschichten setzt die individuelle religiöse Auseinandersetzung voraus und lädt die Zuhörenden selbst dazu ein. Durch Erzählungen vergegenwärtigen sich die Menschen des eigenen Lebens. Sie verarbeiten die Geschichte der Generationen. Mit Erzählungen suchen Menschen nach dem Heiligen und erahnen die Unverfügbarkeit des Allmächtigen. Mit Erzählungen teilen Menschen Erfahrungen. Freies Erzählen belehrt nicht und moralisiert nicht. In dieser Offenheit bleiben Erzählungen ein Angebot für die Zuhörenden.“

Informationen zur Ausbildung Bibelerzählen

Zweiter Preis:

Gottesdienst, Konzert, Event:
Das Worship Café in Witten

Ein 120-minütiger Gottesdienst mit 120 Besuchern und das mitten in der Woche? Das gibt es! Das ist das monatliche Worship Café (creative-kirche.de/gemeinde/gottesdienste/worship-cafe) der Gemeinde Creative Kirche in Witten. Entstanden ist die Creative Kirche aus einem Jugendchorprojekt des Evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten in der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW). Ihr Auftrag ist es, die gute Nachricht von der Liebe Gottes durch Musik so weiterzugeben, dass Menschen sie als Hilfe im Alltag und Hoffnung für ihr Leben verstehen können. Das Besondere ist: Jeder kann kommen, ob evangelisch, katholisch, als Atheist, getauft oder ungetauft, zweifelnd, sprachlos, glaubend.

„Glauben singen. Glauben leben.“ ist das Motto der Cretaiven Kirche und besonders des Worship Cafés, dementsprechend steht die Musik der christlichen Life-Bands im Mittelpunkt: Profi-Musiker versetzen ihren Glauben in Schwingungen. Die Musik soll nicht einfach nur als Konzert konsumiert werden, sondern Sprachhilfe für die eigene Anbetung sein. Unterbrochen wird das Konzert nach etwa einer Stunde durch einen 15-minütigen geistlichen Impuls von Pfarrer Daniel Hobe, nach zwei weiteren Liedern geht das Worship Café in die Pause, in der die Musiker und Pfarrer Daniel Hobe als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Während des gesamten Gottesdienstes steht ein Catering zur Verfügung. Kommen und Gehen ist jederzeit möglich. Nach der Pause wird zwischen den musikalischen Beiträgen zu Veranstaltungen wie Glaubenskursen, Gottesdiensten usw. eingeladen, das Worship Café endet mit dem Segen durch Pfarrer Daniel Hobe.

Viele Besucherinnen und Besucher aus verschiedenen Gemeinden und Konfessionen nutzen das Worship Café für ihren eigenen Kontakt zu Gott und um kirchendistanzierte Freunde und Bekannte mitzubringen. Fast immer sind bis zu 15 Prozent der Besucherinnen und Besucher das erste Mal beim Worship Café. Manche nehmen bis zu 60 km Fahrt auf sich, um dabei zu sein. Da der Eintritt frei ist, wird am Ausgang eine Kollekte in einem Gitarrenkoffer gesammelt. Getreu nach dem Motto: Gib, was es dir Wert ist und was du erübrigen kannst!

Dritter Preis:

Selbstständig und verantwortungsvoll Glauben lernen:
Die Wohnwoche der evangelischen Apostelkirche in Bocholt

Wie können Jugendliche zur Selbstständigkeit geführt werden, in Achtung und Respekt zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen und gleichzeitig ihre persönliche Beziehung zu Gott entwickeln, sich darüber austauschen und sich als Teil der Kirchengemeinde erleben? Heikle Fragen, die sich jede Kirchengemeinde gleich welcher Konfession immer wieder stellt, denn Jugendliche, die im Begriff sind, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln, lassen sich nur ungern in das vermeintlich starre Gefüge einer Wertegemeinschaft fügen. Gleichzeitig ist das Jugendalter aber die Zeit, in der Menschen besonders sensibel sind für all die großen und kleinen Sinnfragen des Lebens.

Die „Wohnwoche mit Jugendlichen im Turm“ der evangelischen Apostelkirche in Bocholt, ein Projekt der evangelikalen Jugendbewegung „Entschieden Für Christus“ (EC), hat Wege gefunden, diese Themen aufzugreifen:

Hier leben die Jugendlichen – Konfirmandinnen und Konfirmanden, aber auch andere Jugendliche im Einzugsbereich der Gemeinde – eine Woche lang, von Sonntag bis Sonntag, zusammen, fern vom Elternhaus, und müssen sich selbst organisieren: Schultasche packen, Brote machen, zum Bus gehen, kochen, spülen, waschen und dabei auch Verantwortung für die Gemeinschaft tragen. Sie nabeln sich ein Stückchen weiter ab, während ihre Eltern lernen, ihre Kinder ein Stückchen mehr loszulassen. Das Abendprogramm mit Andacht und Gesprächen über Gott und die kirchlichen Aktionen vertiefen den Glauben und die Fähigkeit, darüber zu reden, denn die Jugendlichen erhalten tägliche „Hausaufgaben“, die sie in ihrem jeweiligen Alltag erfüllen müssen: „Sprich mit einem Mitschüler über Gott!“ oder „Siehe die Welt heute mit Gottes Augen!“ zum Beispiel. Freunde und Klassenkameraden erfahren von den „Turmbewohnern“, werden neugierig und kommen so evtl. auch dazu. Außerdem erleben die Jugendlichen das Gemeindeleben unter der Woche und die Gemeinde erlebt die Jugendlichen.